In der Dezember-Ausgabe der Fotobuch-Plauder-Ecke geht es, wie soll es anders sein, natürlich um Weihnachten. Florian und ich suchen das perfekte Weihnachtsgeschenk. 


Während Florian sich das Buch „Carpe Diem“ des Fotografiekünstlers Frank Kunert überlegt hat, bin ich zum Schluss gekommen, dass ich ein Buch vorstelle, das ich selbst gerne unter dem Weihnachtsbaum finden würde: Die große Retrospektive von Saul Leiter. Freundlicherweise hat mir der Kehrer-Verlag diesen Gefallen getan und mir das Buch zur Rezension schon vor Weihnachten zugesandt. 

Florian Buch: 

Carpe Diem

Frank Kunert

Hatje Cantz

Erscheinungsjahr 2022

80 Seiten – 40 Abbildungen

23 x 22,8 cm

20 €

ISBN 978-3-7757-5291-6

Seinen Beitrag dazu findet Ihr in seinem Blog.

Meine Auswahl fiel auf den Bildband:

Saul Leiter – Die große Retrospektive

Kehrer – Verlag

Erscheinungsjahr 2023

352 Seiten – ca. 300 Abbildungen

25,4 x 30,5 cm

68 € 

ISBN 978-3-96900-130-1

Über den Fotografen:

Saul Leiter wurde 1923 in Pennsylvania geboren. Sein Vater war Talmud-Gelehrter und auch Sauls Weg zum Rabbiner war bereits vorgezeichnet, ehe die Kunst in Form von Malerei und Fotografie in sein Leben trat. Er zog in das New York der 40er Jahre und traf dort Künstler der unterschiedlichen Stilrichtungen. Er prägte in diesen Jahren die New Yorker Fotografieszene. Zwischen 1950 und 1970 wurde er Modefotograf und fotografierte für namhafte Magazine, vorallem Harper‘s Bazaar. Die Malerei begleitete ihn sein Leben lang. 

Seine Bedeutung für die Fotografie wurde erst am Ende seines Lebens so richtig wahrgenommen, die ersten großen Ausstellungen konnte er noch selbst miterleben. 

Aus dem Klappentext:

Die offizielle Retrospektive anlässlich des 100. Geburtstag von Saul Leiter, einem der revolutionärsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. 

Über das Buch:

Die Herausgeber Margit Erb und Michael Parillo betreuen nach dem Tod Saul Leiters die „Saul Leiter Foundation“, die sich mit dem künstlerischen Nachlass des Amerikaners beschäftigt. Zu seinem 100. Geburtstag haben sie noch einmal das Archiv durchforstet, um einen Überblick über Saul Leiters Schaffen zu geben. Herausgekommen ist der vorliegende Bildband. 

Die über 300 Seiten umfassende Retrospektive von Saul Leiter ist mit seinem kräftigen Seiten und seinem beige farbenem Leineneinband ein richtig dicker „Schinken“. Ein rot-organge leuchtender Hochglanz-Einband umwickelt die unteren zwei Drittel des Buches. Er zeigt ein Bild aus Leiters Streetfotografie, die Hand eines Menschen in einem amerikanischen Taxis. Im Foto dominieren die Farben und Formen des Autos, die den Blick des Betrachters auf die Hand des Fahrgastes richten. Alles andere des Menschen bleibt im Schatten verborgen. 

Im Nachfolgenden ist das Buch in 5 große Kapitel unterteilt. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Geschichte von Saul Leiter, seinen Verwandten und frühen Fotografien, die er zuhause angefertigt hat. 

Im zweiten Kapitel wird Saul Leiters Streetfotografie gezeigt, die er seit den 40er Jahren vornehmlich in New York aufnahm. Dieses Kapitel ist mit Abstand der größte Teil des Buches. Hierbei wird die Spannweite von Leiters Aufnahmen festgehalten: Streetportraits, Silhouette, Spiegelungen, Fotografien in Schwarz-Weiß und Farbe. Teilweise sind die Aufnahmen abstrahiert und man kann nur erahnen, was der Fotograf festgehalten hat, manchmal sind es geradezu dokumentarische Bilder, die sehr detailreich abgebildet sind. Auch einzelne Serien werden in diesem Kapitel gezeigt, zum Beispiel die Arbeit über die Schuhe von Schuhputzern, die im Life-Magazin erschien. 

Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit der Modefotografie, mit der sich Leiter ab den 50er Jahren beschäftigte. Hier werden zum teil unveröffentlichte Modeaufnahmen gezeigt, und die dazu passende Kontaktabzüge, die Zeigen, wie der Fotograf ein Bild aufgebaut hat. Interessant fand ich, dass der Stil vieler Modefotografien, dabei an seine Straßenaufnahmen erinnerte.

Das vierte Kapitel widmet sich der Malerei, eine für mich unbekannte Seite an Leiters Schaffen. Allerdings hat er sich gemäß den Angaben im Buch sein ganzes Leben lang mit Gouache- und Aquarell-Malerei beschäftigt. Später hat er auch seine beiden künstlerischen Ausdrucksformen in Kollagen und teils übermalten Fotografien verbunden. In seinem Nachlass fanden sich unzählige Malereien.  

Im letzten Teil des Buches wird der Blick auf die Aktfotografie Saul Leiters gelenkt. Eigentlich war noch zu Lebzeiten ein eigener Bildband zu diesem Genre geplant, der aber nie verwirklicht wurde. Im Archiv der Saul Leiter Foundation finden sich deshalb viele Aktfotografien, teils mit falschen Namen beschriftet. Über die Gründe, warum Leiter den Bildband nicht beendete und warum er die Bilder falsch beschriftete, lässt sich nur spekulieren. Die Fotografien sind ästhetisch, teilweise geheimnisvoll, und müssen nicht versteckt werden. 

Jedes Kapitel wird von kurzen einleitenden Worten begleitet, die sowohl von den Herausgebern als auch von Gastautoren angefertigt wurden. Der Schwerpunkt des Werkes liegt jedoch eindeutig im Präsentieren der Bilder. Dennoch erfährt man eine Menge über das Leben des Fotografen und seine möglichen Beweggründe. 

Passend zum äußeren Eindruck des kräftigen Bildbandes ist auch die Qualität im Inneren. Beim Papier wählte man eine starke Grammatur. Durch die Größe des Bildbandes können die Fotografien großformatig und in höchster Qualität präsentiert werden und auch die Texte sind angenehm zu lesen. 

Jedem Foto ist ein Titel zugeordnet und das Entstehungsjahr, so hat der Betrachter die Möglichkeit, sich auch ein wenig über die Chronologie der Fotografien Gedanken machen zu können. 

Abschliessend enthält das Buch es einen Zeitstrahl, der in Jahresabschnitten die besonderen Vorkommnisse in Saul Leiters Leben und darüberhinaus zusammenfasst. 

Fazit:

Die in der Plauderecke gestellte Aufgabe war, den perfekten Weihnachtsbildband zu finden. Aber was heißt schon perfekt und vorallem für wen perfekt. Um dieser Frage aus dem Weg zu gehen, habe ich für mich nach einem perfekten Geschenk gesucht. 

Was ich an dem Bildband „Saul Leiter – Die große Retrospektive“ schätze ist die Übersicht, die der Bildband über das gesamte Schaffen von Saul Leiter vermittelt. Mir war er bislang „nur“ als Streetfotograf bekannt, von der Malerei wußte ich nichts und von seinen Mode- und Aktaufnahmen waren mir keine bekannt. Die Qualität des Buches ist über jeden Zweifel erhaben und vorallem seine Streetfotografie ist für mich eine enorme Inspirationsquelle. 

Deshalb ist für mich der Bildband das ideale Weihnachtsgeschenk, um in den ruhigen Momenten des Weihnachtsfest sich mit Leiters beeindruckenden Gesamtwerk zu beschäftigen und daran eigene fotografische Ideen für das kommende Jahr zu entwickeln. 

Links zur Podcast-Episode

Frank Kunert – Carpe diem (Amazon * / Thalia *)

Saul Leiter – Die große Retrospektive (Amazon * / Thalia *)

Blogbeitrag Tunesien

YouTube Dear India

YouTube – Vortrag Holifeste

Mythos & Moderne – Ausstellung in der Zeche Zollverein

Plakat – Kurt Wolff Stiftung

Altona 93


* Bei den gekennzeichneten Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Wenn Du die verlinkten Produkte kaufst, nachdem Du auf den Link geklickt hast, erhalte ich eine Provision direkt vom Händler dafür. Du zahlst bei Deinem Einkauf nicht mehr als sonst, hilfst mir aber dabei den Blog und den Podcast zu betreiben. Vielen Dank für Deine Unterstützung!


Vielen Dank an den Kehrer-Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar des Bildbandes zur Verfügung stellte.