Durch eine Kickstarter-Kampagne zu einem Tageslicht-Film-Entwicklungs-Tank bin ich 2017 wieder mehr auf den Geschmack gekommen, analog zu Fotografieren. Im PPN-Podcast hörte ich dann im vergangenen Jahr das erste Mal von Chris Marquardt und seiner Leidenschaft zur analogen Fotografie. Im September 2018 ist die zweite Auflage des Buches Absolut Analog * von Chris Marquardt und Monika Andrae erschienen, welches mir der dpunkt.verlag freundlicherweise zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Über die Autoren:

Monika Andrae beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit der Fotografie und hat dazu bereits mehrere Bücher geschrieben. Sie podcastet in unterschiedlichen Formaten wie zum Beispiel: Monis Motivklingel . Außerdem kocht sie gerne und veröffentlicht ihre Rezepte auf dem Blog Kruste und Krümel. Aber damit noch nicht genug, sie strickt und näht gerne, ihre Ergebnisse kann man unter Stricklinse.de und fiberthermometer.de bewundern.

Auch Chris Marquardt ist nicht nur Buchautor. Wie man auf seiner Website lesen kann, ist er Fotograf und Podcast-Produzent, gibt Workshops und berät diverse Firmen. Dem deutschen Publikum ist er vielleicht aus dem ersten deutschen Fotografie-Podcast Happy Shooting bekannt, den er zusammen mit Boris Nienke seit rund 13 Jahren betreibt. Aber auch im englischsprachigen Raum ist er vertreten und erklärt dort im Radio immer wieder fotografische Themen. Seinen englischsprachigen Podcast gibt es mittlerweile auch schon seit 2005.

Inhalt - Absolut analog - Marquardt / Andrae

Aus dem Klappentext:

Das Arbeiten mit Film und manuellen Kameras eröffnet kreative Spielräume und macht das Handwerkliche an der Fotografie von Grund auf begreifbar. Mit diesem Buch teilen Monika Andrae und Chris Marquardt von absolutanalog.de ihr Wissen und ihre Erfahrungen und geben Ihnen einen intensiven Einstieg in die Welt der Analogfotografie.

Geschrieben haben sie es für alle Neugierigen, die Freude an der Neuentdeckung der Fotografie im Kleinbild-, Mittel- oder sogar Großformat haben. Andrae und Marquardt erläutern unterschiedliche Filme und deren Einsatzgebiete, was Sie beim Kauf einer gebrauchten Kamera beachten müssen, wie Sie zu Hause S/W-, Farb- und Diafilm entwickeln, die Negative scannen, als Fotos ausdrucken und angemessen präsentieren. Außerdem vermitteln sie Ihnen alles Wichtige zu manueller Belichtungsmessung, zum Abbildungsverhalten von Filmen, zu unterschiedlichen Entwicklungsverfahren, zur richtigen Archivierung und zum spielerisch-kreativen Arbeiten mit Pinhole- und Toy-Kameras sowie abgelaufenen Filmen.

Ob Sie digitalen Ballast abwerfen und sich wieder mehr auf das Fotografieren selbst konzentrieren wollen, ob Sie Ihre handwerklichen Fertigkeiten weiterentwickeln möchten oder neue Impulse für Ihre fotografische Arbeit suchen – mit diesem Buch steigen Sie tief und praxisnah in die analoge Fotografie ein.

Über das Buch:

Alleine das Vorwort dieses Buches ist schon sehr lesenswert, beschreiben die Autoren dort ihre Motivation die analoge Fotografie wieder einmal näher zu betrachten. Außerdem wird die Zielgruppe, für die sie das Buch geschrieben haben erwähnt. Besonders interessant, finde ich, was man nicht im Buch findet, z.B.:

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die von Beginn an möglichst schnell und effizient zu standardisierten Ergebnissen kommen möchten, werden Sie hier möglicherweise nicht fündig.

Wer mehr als das Vorwort liest, findet anschliessend folgende große Kapitel:

  1. Warum analog?
  2. Analog oder digital?
  3. Kameras und Filmformate
  4. Belichtung
  5. Filme
  6. Im Labor
  7. Weiterverarbeitung
  8. Präsentation
  9. Aufbewahrung und Archivierung
  10. Spaß am „geplanten Zufall“

Die einzelnen Kapitel sind gut strukturiert, die Sprache ist anschaulich und viele Bilder und Illustrationen erleichtern das Verstehen.

Besonders in den ersten beiden Kapitel stellen das Autoren-Duo die analoge Fotografie in Vergleich zur digitalen Welt dar. Das finde ich sehr spannend, denn auch wenn ich beide Welten kenne, so habe ich sie doch immer getrennt betrachtet. Die Kapitel über Fotoapparate und Filme sind ein wenig wie in Erinnerungen schwelgen, manche der gezeigten Kameras hatte ich bereits in der Hand und das Lesen der Filmnamen weckt auch Erinnerungen. Besonders schön ist zu lesen, dass es viele der „alten Bekannten“ noch im (Online-)Handel gibt. Die nächste Filmbestellung steht also auf dem Programm.

Meine größte Neugier galt dem Kapitel „Labor“. Anfang der 2000er Jahre habe ich (leider) meine gesamte Dunkelkammer abgegeben und seit dem eigentlich nichts mehr mit Entwicklung zu tun gehabt. Ich ärgere mich, nicht wenigstens meine Filmentwicklungsmaterialien aufgehoben zu haben. Marquardt und Andrae stellen die einzelnen Schritte der Filmentwicklung anschaulich da. Begonnen beim Material (hatte ich alles früher bereits 🙁 ) über die Chemikalien und die „Rezepte“. Bei den Chemikalien habe ich viel über „alternative“ Entwickler gelernt. Den Caffenol-Entwickler kannte ich schon, aber auch der Ansatz mit Paracetamol finde ich spannend und werde ihn bestimmt einmal ausprobieren. Den Rotwein nutze ich jedoch lieber anderweitig. Das Kapitel ist reich an zusätzlichen Tricks, die in extra Kästchen gezeigt werden. Die Schritte, die man im Dunkelsack ausführen sollte, werden ebenfalls ausführlich bebildert.

Beim Kapitel zum Thema Scannen hätte ich mir eventuell noch eine etwas ausführlichere Do-It-Yourself-Anleitung zum Thema „Abfotografieren von Negativen“ gewünscht. Die Verwendung von Scannern wird hingegen so ausführlich wie die anderen Kapitel beschrieben.

Besonders erwähnen möchte ich noch den Anhang des Buches: in diesem stellen die Autoren viele Adressen zusammen, von Händlern, Werkstätten und Kamerabörsen, und runden das Buch so ab.

Das Fotobuch ist in einem festen Einband gefasst. Das Druckbild ist für Schrift und Bild hervorragend, wie bislang bei jedem Buch des dpunkt.verlag, dass ich kenne. Ich persönlich mag das kleine Einlegebändchen, und nutze es als Lesezeichen. Als kleines „Goodie“ gibt es im Buch noch zwei kleine Karten: eine enthält noch einmal zusammengefaßt die wichtigsten Punkte bei der Filmentwicklung, die andere die Punkte zum Thema Scannen.

Inhalt - Absolut analog - Marquardt / Andrae

Zielgruppe:

Wie bereits eingangs erwähnt beschreiben die Autoren im Vorwort selbst für wen dieses Buch geschrieben wurde: Für alle Neugierigen, die einen weiteren – vielleicht neuen – Zugang zur Fotografie suchen.

Aus meiner Sicht ist es für alle geschrieben, die gerne etwas ausführlicher in die analoge Fotografie schnuppern wollen. Vorerfahrung dafür ist nach Lektüre des Buches nicht mehr notwendig.

Fazit:

Vor ein paar Wochen habe ich bereits das Buch „Analoge Fotografie“ von Ludwig Schuster vorgestellt, welches sich dem gleichen Thema verschrieben hat. Allerdings steigen Chris Marquardt und Monika Andrea wesentlich tiefer in die Materie ein, was man auch bereits am Buchformat erkennen kann. Mir gefällt diese Tiefe des Buches, viele Themen kenne ich von früher, aus den Anfängen meiner Fotografie, und mit Hilfe dieses Buches werden diese Erinnerungen wieder aufgefrischt, verbessert und modernisiert.

Da ich seit einiger Zeit wieder verstärkt analog fotografiere und diverse Filme in unserem Kühlschrank liegen, ist dieses Buch sehr hilfreich. Alle mir wichtigen Elemente werden ausführlich dargelegt. Insbesondere das Nebeneinander von analog und digital z.B. in der Nachverarbeitung ist ein Ansatz, den ich sehr mag. Die vielen Tipps zu weiteren Webseiten oder Apps sind darüberhinaus ebenfalls wertvoll und haben mir bereits nach dem ersten Gebrauch sehr geholfen. Wenn jetzt noch meine Lab-Box irgendwann kommt, werde ich beim Entwickeln durchstarten. 🙂

Seite - Absolut analog - Marquardt / Andrae

Eckdaten zum Buch:

Hardcover

301 Seiten

21,0 x 25,7 cm

ISBN: 978-3-86490-565-0 

Erschienen September 2018

34,90€

Links:

Verlags-Website

Absolut Analog – Website

Website Chris Marquardt

Podcast Monika Andrae

Amazon-Link *

*Affiliate-Link


Der Bildband wurde mir vom dpunkt.verlag als Rezensionsexemplar überlassen. Vielen Dank dafür.